2021-02-13

Zwei Kommentare

  1. In der taz las ich heute Morgen den Artikel von Alina Schwermer über in Schwellenländern arbeitende Digital Nomads (bisher nur gedruckt auf Seite 35 zu finden), deren Lebensverhältnisse Erinnerungen an die Kolonialzeit wecken. Darin schreibt sie u.a. diesen Satz: ›Letztens brachte der Spiegel eine Sehnsuchtsgeschichte über eine digitale Nomadin. Fest angestellt für eine Agentur arbeitete sie als Recruiterin auf Bali, in hübschen Co-Working-Spaces, wo keine Einheimischen stören.

    Eine sehr treffende Beobachtung, die ich, auch wenn ich noch nie auf #Bali war, nach Gesprächen mit balinesischen Betreiber:innen von Coworking Spaces bestätigen kann. Diese haben mir berichtet, dass all diese Orte am Strand, an denen sich Digital Nomads aus westlichen Ländern so gerne aufhalten, gar keine Coworking Spaces sind und nichts mit der balinesischen Coworking-Szene, die es sehr wohl gibt, zu tun haben. Dies nur als Randbemerkung für die Familiengespräche beim Abendbrot über Coworking auf Bali.

  2. Im Interview mit der Zeitung Potsdamer Neueste Nachrichten spricht Brandenburgs Infrastrukturminister, Guido Beermann (CDU), über Stadtentwicklung mit Corona. Auf die Frage, welche Auswirkungen Corona auf die Innenstädte haben wird, sagt der Minister: ›Wo der Einzelhandel rausgeht, kann zum Beispiel ein Co-Working-Space einziehen oder ein nichtstörendes Gewerbe.‹ Eine inzwischen gängige Sichtweise, die sicherlich nicht nur mir zuletzt schon öfters in Presseberichten begegnet sein wird.

    Wenn die Strategie ist, dass statt des Einzelhandels ausgerechnet Coworking Spaces leere Ladenflächen anmieten werden, sind unsere Innenstädte verloren. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das Geschäftsmodell, auf gemieteter Fläche mit Dienstleistungen Geld zu verdienen, sehr krisenanfällig ist. Dazu kommt, dass die wenigsten Coworking Spaces die finanzielle Ausdauer haben, eine Nachfrage in kleineren oder mittelgroßen Orten zu erzeugen. Coworking allein ist kein eine Miete zahlendes Geschäftsmodell.

Zuerst erschienen in »Kremkaus Links«.


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